21. Phex 1023 BF – 27. Phex 1023 BF

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Meer der sieben Winde, 21. Phex 1023 BF

Heute Morgen haben Malponeo und ich noch einmal mit Orchit über den seltsamen Kristallschädel geredet. Orchit sagte noch einmal, dass es sich auf jeden Fall um ein Artefakt handelt, er schließt aber nicht aus, dass es im Güldenland Wesen gibt, deren Skelett tatsächlich aus Kristall besteht und dass man vielleicht den Kopf eines solchen Wesens zu einem Artefakt gemacht hat. Malponeo hat den Schädel jetzt und wird versuchen, Wachs auf den Kristallschädel aufzutragen, um herauszufinden, ob man ihn wieder so aussehen lassen kann wie das Wesen zu Lebzeiten aussah (oder um festzustellen, dass das Ganze doch künstlich geformt wurde).

Nachmittags:

Die „Tolman“ hat vor etwa einer Stunde mit den Schiffsflaggen ein internes Problem signalisiert, woraufhin wir auf Rufweite herangegangen sind. Kurz darauf konnten wir auch schon an Bord der „Tolman“ die schwarze Flagge sehen, das Zeichen für eine Seuche an Bord. Malponeo, Dr. Lÿsvalis, Tsabella und Fadril sind mit dem Beiboot nach drüben gerudert, um die dortige Bordheilerin zu unterstützen.

Meer der sieben Winde, 23. Phex 1023 BF

Heute Mittag sind die vier endlich wieder an Bord gekommen. In den letzten beiden Tagen ist ansonsten gar nichts weiter passiert.

Fadril und Malponeo haben erzählt, dass auf der „Tolman“ der Brabaker Schweiß ausgebrochen war, eine Krankheit, die eigentlich eher in Sümpfen vorkommt und von Insekten übertragen wird. Sie vermuten, dass vielleicht auch dahinter die Al’Anfaner Hexe stecken könnte. Sie haben aber alle Erkrankten durch vereinten Einsatz von Kräutern, Magie und dem Wirken der Götter retten können.

Nebenher hat Fadril noch etwas sehr Merkwürdiges entdeckt: Einer der Magier auf dem anderen Schiff, Fadrilion Fünfstern, war ebenfalls erkrankt und schrie im Fieberwahn nach seinem Buch. Als Fadril es ihm bringen wollte, stieß er in der Kabine des Magiers auf eine abgeschlossene Holzkiste mit einem ihm unbekannten Wappen. Im Vademecum von Fünfstern fand er die Notiz, dass er diese Kiste von Nazir ter Vaan, dem güldenländischen Gesandten bekommen hatte. Außerdem erkannte Dr. Lÿsvalis das Wappen als das des Thearchen, des Herrschers des Imperiums. Sehr seltsam…nun ja, Fadril hat die Kiste mitgebracht und sie Harika auch schon gezeigt. Wir sollen uns bei Gelegenheit damit befassen, sie zu öffnen, allerdings sagte sie, dass sie uns zunächst für etwas anderes braucht. Denn morgen werden wir das erste Ziel unserer Reise, die Insel Nagalosch, erreichen. Harika sagte, dass sie auf der Insel etwas versteckt hat, was für unsere Weiterfahrt notwendig ist und was sie morgen dort wieder abholen will. Wir haben uns bereits so gut wie möglich für eine Expedition in den Dschungel ausgerüstet. Für Fadril mussten wir alles mit herbeischaffen, denn er stand stundenlang auf dem Deck herum, weil Daria di Vindest ein Portrait von ihm gezeichnet hat.

Noch ist nichts in Sicht gekommen. Ich bin schon sehr neugierig, was uns morgen erwartet.

 Meer der Sieben Winde, vor der Insel Nagalosch, 24. Phex 1023 BF

Die Insel ist in Sicht. Nagalosch ist, soweit man von hier sehen kann, eine kleine, von Dschungel bewachsene Insel mit einem Vulkan in der Mitte. Alessandrian Arivorer fiel beim Anblick der Insel noch eine alte Legende ein: Angeblich gibt es in der Zwergenstadt Xorlosch eine mehrere tausend Götterläufe alte Inschrift, die von einem mythischen Ort namens Nagalosch berichtet. Dort soll Ingerimm alle ihm ungefälligen Werkstücke vernichten. Ob dieser Ort mit der Insel irgendetwas zu tun hat, ist aber unklar. Auf jeden Fall sind wir laut Harika nun etwa eintausendvierhundert Meilen von der aventurischen Küste entfernt. Wir werden jetzt mit dem Beiboot zur Insel gebracht und werden dort – hoffentlich ohne Probleme – den Gegenstand abholen, den Harika zurückgelassen hat.

Meer der Sieben Winde, vor der Insel Nagalosch, 25. Phex 1023 BF

Eines ist klar: Ohne Probleme scheint auf dieser Fahrt gar nichts zu verlaufen! Was gestern und heute Nacht geschehen ist, lässt es bereits ein weiteres Mal wie ein Wunder erscheinen, dass ich hier sitzen und diese Zeilen schreiben kann.

Nachdem Harika und wir vier gestern Vormittag mit dem Beiboot die Insel erreicht hatten, erzählte sie uns endlich, was sie eigentlich genau suchte: Nämlich einen steinernen Obelisken, der für die Fahrt zu den singenden Inseln wichtig sein würde und den sie damals hier versteckt hatte. Sie berichtete uns weiterhin, dass sie auf der Insel so etwas wie einen „Freund“ hatte, denn die Insel wird bewohnt von großen, intelligenten Vögeln, die sie Feuervögel nennt und die in den Hängen des Vulkans leben. Einem von ihnen hatte sie bei ihrem letzten Aufenthalt hier das Leben gerettet und er hatte ihr dafür versprochen, auf ihr Artefakt aufzupassen. Allerdings warnte Harika uns auch, dass wir vielleicht auch einen Feind auf Nagalosch haben könnten, denn in der Nähe der Insel hatte sie damals ihren Maat von Bord werfen müssen, der sich einen verfluchten oder verzauberten Ring aus der Ladung genommen hatte und daraufhin seltsame übermenschliche Kräfte entwickelt hatte und anscheinend wahnsinnig geworden war. Sie befürchtete, dass er die Insel vielleicht erreicht hatte und hier immer noch irgendwo lebte und auf Rache sann.

Wir wanderten also landeinwärts, denn wie uns Harika sagte, mussten wir den Vulkan erklimmen, um dort ihren Freund, den Feuervogel zu treffen. Den Gefahren des Dschungels konnten wir zum Glück ausweichen, auch wenn wir einige gefährliche Tiere und Pflanzen sehen konnten. Nach einigen Stunden fanden wir seltsamerweise etwas, das wie ein Grab aussah, nämlich einen Pfahl mit einem Helm darauf, neben dem ein Leichdorn wuchs. Wir haben bis jetzt nicht herausgefunden, wer dort gestoben ist und wer ihn begraben hat.

Am Nachmittag hatten wir den Vulkan erreicht und nahmen einen Pfad, der den Berg hinauf führte. Nach weiteren Stunden mühsamer Kletterei waren wir oben angelangt. Ich kann nicht sagen, dass ich es dort sehr behaglich fand, nicht nur, weil es unglaublich weit oben war, zudem roch es auch noch nach Rauch und Schwefel und war entsetzlich warm. Mit dem Fernrohr konnten wir sehen, dass die Leute auf unsere Schiffen mit den Beibooten auf die Insel ruderten, um Trinkwasser zu holen, obwohl Harika angewiesen hatte, alle sollten auf den Schiffen bleiben. Doch noch etwas anderes war zu sehen: Bäume, die an einer anderen Stelle umkippten. Ein genauerer Blick zeigte, dass sie dort mehrere Marus  (ein weiteres Echsenvolk, was mir bisher unbekannt war. Diese sehen ein wenig aus wie große, aufrecht gehende Krokodile) daran machten, Bäume zu fällen und daraus primitive Boote zu bauen. Anscheinend waren wir entdeckt worden. Malponeo verwandelte sich in einen Falken und überbrachte eine Warnung an die „Tolman“, dann versteckten wir uns zwischen den Felsen, während Harika ein großes, grün brennendes Feuer anzündete, das verabredete Zeichen mit ihrem Freund. Zunächst kam dieser aber nicht, sondern andere Feuervögel, auf denen Marus ritten. Beim ersten Anblick wurde klar, wieso die Wesen Feuervögel heißen, denn aus ihrem Gefieder sprühen Funken und auch sonst sehen sie ganz so aus, als ob sie sich an diesem Vulkan wohl fühlen. Sie ließen sich nicht anmerken, ob sie uns entdeckt hatten und drehten wieder ab. Wir warteten weiter und dann, als die Sonne bereits unterging,  kam Harikas Freund. Er berichtete, dass, so wie wir schon befürchtet hatten, Bordoban, der ehemalige Maat auf der Insel war und die Marus unterworfen hatte. Diese wiederum hatten den Obelisken von Harika und auch noch die Eier der Feuervögel gestohlen und so das Volk der Vögel gefügig gemacht. Diese dienten nun den Marus aus Angst, dass ihre Nachkommen sonst getötet werden würden. Harika bat ihren Freund (im übrigen lautete sein Name (phonetisch) Fffyrwyn oder Phphphyrwyn und er sprach eine Art altertümliches Bosparano – mögen die Zwölfe wissen, wer es ihm beigebracht hat) ihr wegen des Gefallens, den er ihr schuldete, trotzdem  zu helfen. Er flog daraufhin fort und kehrte mit vier weiteren Feuervögeln zurück. Er sagte, dass Bordoban mit den Marus einen Angriff auf die Schiffe vorbereitete und die Höhle, in der er die Eier und den Obelisken aufbewahrte, gerade nur schwach bewacht sei. Wenn wir die Wachen in der Höhle bekämpfen und die Nachkommen der Feuervögel befreien würden, dann würden die Vögel sich gegen die Marus erheben und uns helfen. Wir willigten natürlich ein – es blieb uns ja nicht viel anderes übrig.

Da nun Eile geboten war, baten uns die Vögel, auf ihre Rücken zu steigen, damit sie uns zu der Höhle fliegen konnten. Fliegen! Ich war, nun ja, nicht gerade glücklich über diesen Vorschlag. Die nächsten Minuten waren auch, trotz des einmaligen Erlebnisses, auf einem Feuervogel zu fliegen, nicht besonders erquicklich. Ich dankte den Göttern, dass ich wieder auf festem Boden stand, als die fünf Vögel uns vor der Höhe absetzten.

Wir gingen, ohne länger  Zeit zu verlieren, in die Höhle und als wir sahen, dass dort lediglich fünf Marus zurückgeblieben waren, eröffneten wir den Kampf. Leider sehen diese Viecher nicht nur so aus wie große Krokodile, sondern sie beißen auch etwa so gut zu und so ging es nicht ohne Verluste ab. Ich war jedenfalls halb tot, als wir mit den Eiern und den Obelisken aus der Höhle kamen. Zum Glück hat Malponeo es geschafft, mich mit einem  Zauber zu heilen, während uns die Feuervögel zu den Schiffen flogen. Denn dort angekommen, sah es gar nicht gut aus: Alle drei Schiffe brannten, die Vögel griffen aus der Luft an, die Marus vom Wasser aus, überall war ein völliges Durcheinander und über allem schwebte eine riesige, durchscheinende, vier Schritt hohe Vogelgestalt, die das ganze zu beobachten schien. Auch Bordoban war zu sehen, der selbst auf einem Feuervogel ritt.

Die Vögel setzen uns auf der Lamea ab, bis auf Yidayion, der seinen Vogel dazu brachte, direkt in der Luft auf Bordoban zuzuhalten. Malponeo stürmte unter Deck, um sich um die Verletzten zu kümmern, während Fadril sich in den Kampf gegen die Marus einmischte. Ich sah aus der Luft dieses riesige durchscheinende Vogelwesen in Richtung Deck herunterkommen, das einen spiegelnden Schnabel zu haben schien. Über dem Mast blieb es stehen und auf einmal wurden drehten alle völlig durch: Unsere Soldaten kämpften gegen die eigenen Leute, die Geschütze feuerten über das Deck, Matrosen fingen an, sich selber zu verstümmeln…ich half mit, die Leute unter Deck zu bringen, aus der Sichtweite von diesem Ding, dabei traf ich dann auf Orchit, beschrieb ihm dieses Wesen und in dem Moment, als er nochmals nachfragte, ob es wirklich einen „Spiegel“ als Schnabel hätte, fiel es mir dann auch wie Schuppen von den Augen…ein Dämon der Gegenspielerin Hesindes! Und wegen unseres Segens auf dem Schiff kam er auch nicht näher als bis zum Mast!

Die Kämpfe um die „Lamea“ hatten wegen des Wirkens des Dämons weitgehend aufgehört, nur Yidayion und Bordoban kämpften hoch oben in der Luft noch gegeneinander. Wie er mir später erzählte, hatte er inzwischen gesehen, dass Bordoban sich selbst schon halb in eine Art geierartigen Vogel verwandelt hatte und auch den verfluchten Ring an seinem Finger gesehen, den er nun versuchte abzutrennen.

Inzwischen waren Arivorer, Orchit, Fadril und ich entschlossen, diesen Dämon  zu bekämpfen, doch da er nicht zu uns kam, mussten wir zu ihm…also kletterten wir nach oben in die Wanten, wo Orchit einen Gardianum wirkte und Arivorer sich bereit machte, den Dämon zu exorzieren. Wir fühlten, wie der Dämon auch uns versuchte in den Wahnsinn zu reißen, doch  zum Glück stand Hesinde uns bei und wir blieben bei Sinnen. Orchit allerdings hat es getroffen und er ließ seinen Stab fallen, zog seine Waffe und machte Anstalten uns anzugreifen. Während Fadril einen Weisheitssegen sprach und Arivorer mit dem Exorzismus begann, war es an mir, den Magier irgendwie zu beruhigen. Und auch wenn es vielleicht nicht die allerklügste Idee war, ein hesindegefälliges Kinderlied anzustimmen, um einen der fähigsten Magier Aventuriens zu beruhigen – es hat funktioniert. Kurze Zeit später hatte Arivorer, von Fadrils Segen noch gestärkt, den Exorzismus beendet und der Dämon verschwand zurück in die Niederhöllen.

Gleichzeitig war es Yidayion gelungen, Bordoban die Hand mit dem Ring abzuschlagen, woraufhin dieser schreiend vor Schmerzen und Wahnsinn in die Tiefe stürzte und sich noch im Fall aufzulösen begann.

Die Marus kehrten zurück auf die „Lamea“ und begannen wieder mit einem Angriff, doch Tsabella kam an Deck und wirkte eine Liturgie, die alle in Frieden versetzte, so dass auch die Angreifer sich friedlich zurückzogen. Trotzdem sah es übel aus, denn alle Schiffe brannten. Harika holte aus ihrer Kabine aber einen der seltsamen Gegenstände, die sie dort aufbewahrte, nämlich eine große Flasche, die sie öffnete, woraufhin ein Dschinn des Wassers aus dieser herauskam. Sie bat ihn, ihre Schiffe zu retten und daraufhin begann es so stark zu regnen, dass die Feuer rasch gelöscht wurden. Der Kampf war gewonnen.

 Auf der „ Lamea“ zählen wir 18 Tote.

Orchit, der rasch wieder beisammen war, erzählte, dass er von diesem Dämonen schon einmal gehört hatte und dass es sich in der Tat um einen höheren Diener des Herren der Spiegel handelt, dessen Namen ich jetzt hier nicht erwähnen will.

Heute wurde mit der Reparatur der Schiffe begonnen. Wir werden noch einige Zeit brauchen, bis wir wieder ablegen können. Allerdings sieht der Vulkan auf Nagalosch aus, als ob er jeden Moment ausbrechen könnte. Vor kurzem sind aber drei Feuervögel auf der „Lamea“ gelandet, die sich noch einmal dafür bedankt haben, dass wir ihren Nachwuchs gerettet haben. Sie werden uns warnen, wenn der Vulkanausbruch bevorsteht, damit wir dann die Insel verlassen können, im Gegenteil zu uns hoffen sie allerdings, dass es rasch geschieht, weil ihre Vogeleier die Wärme brauchen.

Da Yidayion und ich nichts Sinnvolles zu den Reparaturarbeiten und der Pflege der Verletzen beitragen können, werden zwei der Vögel uns gleich noch einmal in den Dschungel tragen, damit wir dort für alle Schiffe etwas frisches Obst sammeln können. Das sollte die Stimmung der Mannschaft hoffentlich etwas heben. Auch wenn es heißt, dass ich mich schon wieder auf den Rücken eines Flugwesens begeben muss…

Meer der sieben Winde, 27. Phex 1023 BF

Heute Morgen warnten uns die Feuervögel, dass nun der Vulkanausbruch bevorstünde. Rasch lichteten wir den Anker, die Segel wurden gesetzt und inzwischen haben wir Nagalosch hinter uns gelassen. Ich hoffe, dass der Ausbruch des Vulkanes stark genug ist, damit die Eier der Feuervögel überleben. Leider kann man mit Worten schlecht beschreiben, welch wundersamen und schönen Anblick diese Wesen bieten, doch ich denke, sie werden uns allen im Gedächtnis bleiben.

Nunmehr ist ringsum wieder nichts zu sehen als offenes Meer und wir segeln unserem nächsten Ziel, den Singenden Inseln entgegen.

 

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18. Phex 1023 BF – 20. Phex 1023 BF

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18. Phex 1023 BF

Bei allen Göttern! Diese zwölfmal verfluchte Hexe ist immer noch am Leben und hat Fadril mit einem Fluch belegt! Alles was er zu essen versucht, verwandelt sich in einen Stein! So versucht sie ihn dazu zu bewegen, ihr das Fluggerät wieder zu geben.

Die Magier werden gerade zusammen gerufen um den Fluch hoffentlich durch Antimagie zu brechen…

Später

Hesinde sei Dank, es ist gelungen und Fadril ist von dem Fluch befreit. Aber ich schwöre es, ich werde dieses elende Miststück von einer Hexe noch finden!

20. Phex 1023 BF

Ich weiß gar nicht, wie ich aufschreiben soll, was geschehen ist. Es ist so grauenvoll. Meine Hände zittern immer noch. Dabei ist es schon einige Stunden her, dass ich auf einmal aufgewacht bin. Nekkomak, der Klabauter, war in meiner und Fadrils Kabine und hat gemeint, etwas Schreckliches sei geschehen. Wir beide sind schnell aufgestanden und raus auf den Flur und da haben wir dann gesehen, dass die  Tür zur Kombüse offen steht.

Und als wir reingeschaut haben, haben wir sie dann gesehen…Selchion und Esindio, beide ermordet und so grausam zugerichtet, dass ich es hier gar nicht beschreiben mag. Und die ganze Kombüse voller Blut und an den Wänden lauter Glyphen der Gegenspielerin Efferds. Wir haben Malponeo und Yidayion geweckt oder vielmehr wollten wir sie leise wecken, aber dann kam dieser dämliche von Rabenmund den Gang entlang, und weil wir es ihm zutrauen, dass er uns des Mordes verdächtigt, hat Fadril laut Alarm gegeben. Dann kamen natürlich alle gerannt, Dilga und Piendo und dann auch Harika und Orchit. Alle waren vollkommen schockiert, aber außer den eben genannten hat es keiner gesehen, was dort passiert ist. Harika hat uns dann gebeten, in der Kombüse „aufzuräumen“, damit die Mannschaft nicht völlig durchdreht, wenn sie dieses Blutbad sieht. Sie hat uns dann noch Lÿsvalis geschickt, damit der Malponeo mit den Leichen hilft. Die beiden haben also die Toten untersucht. Dabei haben sie in den Leichen komische Würmer gefunden, die in ihnen gezuckt haben und dann auch sofort anfingen sich durch das Holz zu fressen, als sie aus den Leichen raus und auf dem Boden gelandet waren. Fadrils Tierbuch sagt, Bohrwürmer und vermutlich die dämonische Variante aus der blutigen See. Wir haben dann stundenlang die Küche geschrubbt und die Glyphen von den Wänden geputzt und alles aufgeräumt und Malponeo hat Tee und Frühstück gemacht, damit die Mannschaft nicht so in Aufruhr ist. Esindio hatte noch angefangen einen Buchstaben in den Tisch zu kratzen auf dem der Mörder ihn festgedolcht hatte…leider ist er nicht fertiggeworden. Wir haben ewig diskutiert und sind der Meinung, es müsste ein A, D, J, M, N, P, R, U, W, oder V sein. Was leider nicht so viel ausschließt. Außerdem wissen wir nicht, was das ganze sollte. Also dieser Mord. Also ich bin der Meinung, dass das ein komisches Ritual war und hier demnächst ein verdammtes unheiliges Seeungeheuer auftauchen wird. Und mir ist immer noch schlecht.

Später

Ich habe mich etwas beruhigt. Leider sind wir immer noch nicht weiter. Wir haben versucht, bei der Ausgabe des Frühstücks darauf zu achten, ob jemand sich merkwürdig verhält oder ob jemand Blutreste auf seiner Kleidung oder den Händen hat, aber es war nichts zu sehen. Unsere Überlegungen gehen im Moment dahin, dass der Paktierer (denn um einen solchen handelt es sich auf jeden Fall) kräftig sein muss und vermutlich eher unter den Seeleuten zu suchen ist als unter den Soldaten oder Söldnern, wobei man das natürlich auch nicht ausschließen kann. Unter den Personen, die uns besser bekannt sind und die vom Namen her passen, sind noch Dilga, Deressia, Remolde, Wilbur von Rabenmund und Piendo…

Wir haben vorhin sogar das Zimmer von Wilbur von Rabenmund…inspiziert, allerdings nur herausgefunden, dass er wirklich misstrauisch ist (er legt sogar Haare in seine Bücher, um zu sehen, ob jemand hineingesehen hat…). Sonst war aber nichts Verdächtiges zu finden. Gin, sein Zimmergenosse meint allerdings, dass er nicht in seinem Bett war, als der Alarm gegeben wurde.

Mit Nekkomak haben wir auch nochmal geredet. Der meint, der Paktierer würde stinken (bloß heißt das jetzt, er riecht auch für Menschen schlecht?) und hätte irgendwas aus der „tiefen Tiefe“ gerufen. Also hatte ich wohl recht, was meine Theorie mit dem Seeungeheuer anbelangt.

Oh. Muss an Deck, da ist irgendwas los.

 Abends

Der Paktierer, vielmehr, die Paktiererin, ist besiegt. Im Nachhinein fragt man sich ja immer, wie einem die kleinen Anzeichen nicht auffallen konnten, aber manchmal ist man ja geradezu blind für das, was vor der eigenen Nase geschieht…

Also, heute Nachmittag tauchte in einiger Entfernung ein komisches…Ding auf, so eine Art riesiger „Baum“, der im  Wasser schwamm und aus weiß-grauem Material bestand. Wir vier und Denderan und Dilga, die das Boot rudern sollte, sollten da hin und das Etwas untersuchen, also machten wir uns auf den Weg. Dort angekommen, entschied Denderan, dass ihm das zu gefährlich war, nachdem irgendwer dummerweise erwähnt hatte, dass es vielleicht was Dämonisches sein könnte, also kletterten Fadril, Dilga und Yidayion auf den „Baum“, der aus einem Material wie Muscheln oder Korallen zu bestehen schien. Malponeo und Denderan blieben im Boot und ich tauchte unter Wasser, um mir das Ding von unten anzusehen. Ich sah in einigen Schritt Tiefe, dass das Ding ein Auge hatte, was mich anzustarren schien, allerdings sah es aus, als ob es hinter Glas eingeschlossen sei. Ich tauchte wieder hoch und sagte es Malponeo, der daraufhin einen Hellsichtszauber sprach und feststellte, dass das ganze Gebilde von Magie sehr durchdrungen war.

Oben hatten sowohl Yidayion als auch Fadril entdeckt, dass in den Korallen große Aquamarine eingeschlossen waren und jeder einen davon heraus gebrochen. Dann sah Fadril allerdings, dass auf den Steinen das Zeichen des Efferd zu sehen war und wollte keinen weiteren mehr herausnehmen. Dilga allerdings bestand darauf, noch mehr davon heraus zu brechen. Fadril dachte, dass sie einfach nur hinter den wertvollen Edelsteinen her war und redete auf sie ein, um sie davon abzubringen. Dann griff sie ihn allerdings mit einem Mal an, schleuderte ihn aus etwa zehn Schritt Höhe von diesem Baum herunter ins Wasser und fing an, wie besessen an dem Aquamarin herumzuzerren – ja und das war so in etwa der Zeitpunkt, als uns allen aufging, dass SIE die Paktiererin war! Yidayion kletterte zu ihr hinüber und ich kletterte auch auf den „Baum“ hinauf, allerdings war er schon in einen Kampf mit ihr verwickelt, als ich oben ankam. Ich konnte ihm eher noch ein wenig helfen, doch er hatte sie schon schwer verletzt. Am Ende haben wir sie erschlagen. Da das seltsame Ding nach dem Herausbrechen der Aquamarine anfing zu vibrieren und einzelne Äste zu verlieren, sind wir dann schnell wieder zurück  zur „Lamea“ gerudert.

Nachdem wir Harika berichtete hatten, was geschehen ist, gab sie Befehl, so schnell wie möglich das Weite zu suchen, ehe das Etwas, was der Herr Efferd wohl dort eingesperrt hat, sich befreien kann. Außerdem ist Dilga offiziell dort draußen verunglückt. Bulacio ist jetzt der neue Maat und eine neue Smutje wurde auch schon ernannt.

Ja, wenn ich jetzt so darüber nachdenke…die Tatsache, dass Dilga nicht in den Efferdtempel gegangen ist, sondern nur auf den Stufen davor „geopfert“ hat, dass sie bei allem, was mit Wasser zu tun hatte (schwimmen, rudern, harpunieren) so unglaublich geschickt war…man hätte es ahnen können. Aber wie ich schon sagte, leider sieht man oft nicht genau hin und bemerkt nicht das, was vor sich geht. Es ist schon seltsam. Gestern um diese Zeit hätte ich gesagt, dass ich Dilga auf ihre ruppige, seemännische Art durchaus schätze. Heute hat sie zwei Menschen getötet, wir haben sie erschlagen und ihre Seele ist in jedem Fall in die Niederhöllen gefahren. Über solche Dinge mag man gar nicht länger nachdenken….

16. Phex 1023 BF – 17. Phex 1023 BF

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Meer der Sieben Winde, 16. Phex 1023 BF

Es ist schon mitten in der Nacht, doch die Geschehnisse des heutigen Tages sollten doch noch erwähnt werden. Die Al’Anfaner haben den heutigen Tag des Phex anscheinend zum Anlass genommen einen Versuch zu wagen, uns eines unserer Schiffe zu stehlen.

Das Wetter war den ganzen Tag schon diesig und regnerisch und so rückte unser Schiffsverband enger zusammen, damit wir wenigstens die Positionslichter der anderen Schiffe sehen konnten. Irgendwann, als es schon dunkel war, fiel dann plötzlich auf, dass die Lichter der „Shafir“ ausgegangen waren. Natürlich herrschte gleich Alarmbereitschaft und unser Beiboot wurde zu Wasser gelassen. Fadril, Malponeo, Yidayion, Dilga, Denderan, Mylkidos und eine weitere Söldnerin namens Tiva sowie meine Wenigkeit sollten der Sache auf den Grund gehen.

Wir ruderten also so leise wie möglich hinüber zur „Shafir“, die wir zum Glück auf da vorfanden, wo wir sie vermuteten. Allerdings sahen wir, als wir an Bord kletterten, dass die Mannschaft an Deck eingeschlafen war und das verhieß nicht Gutes. In den Segeln waren aber Bewegungen von Einzelnen zu erkennen.

Nun, um es kurz zu machen: Die verbleibenden zwei Agenten der Hand Borons zusammen mit dieser vermaledeiten Hexe hatten sich mit einigen bestechlichen Mitgliedern der Mannschaft verbrüdert, die übrige Besatzung mit einem Schlafgift außer Gefecht gesetzt und versuchten, die Shafir still und heimlich zu stehlen.

Wir taten natürlich unser Bestes, um sie davon abzuhalten: Mylkidos besetzte das Geschütz, Yidayion, Denderan und Tiva kämpften oben in den Wanten gegen die beiden Agenten und Fadril und ich hatten die Seeleute und die Hexe gegen uns – allerdings gaben die Seeleute auf, nachdem ein oder zwei von ihnen umgefallen waren. Das Ganze war mal wieder eine ziemlich knappe Geschichte – Mylkidos wurde von einem vergifteten Geschoss getroffen, Tiva krachte plötzlich schwer verletzt aufs Deck, Denderan hing irgendwann auch nur noch halb bewusstlos in den Tauen…zum Glück hat Malponeo mit Heilzaubern und Entgiftungszaubern nur so um sich geworfen, sonst wären wohl nicht alle auf die „Lamea“ zurückgekehrt.

Den einen Agenten haben wir getötet und den anderen gefangen genommen – nur diese verfluchte Hexe ist mir zum zweiten Mal entkommen! Aber Fadril hat ihr ihr Fluggerät abgenommen, also wird sie wenigstens nicht mehr unser Schiff oder eins der anderen unsicher machen können. Ich hoffe, sie ist ertrunken, diese….

Wie auch immer – als alle besiegt waren, die noch kämpften, setzten wir den Rest der verräterischen Matrosen gefangen und weckten erstmal Kapitän Bramstetter sowie den Schiffsmagier. Bramstetter war allerdings der Meinung, dass er, wenn sein Schiff gerettet ist und er schon mal schläft, auch gleich weiterschlafen kann (wir hatten gesehen, dass er sich vorher tagelang mit einer Droge wach gehalten hatte). Dann überprüften wir noch, ob irgendwas fehlte, dabei stellte sich heraus, dass die Al’Anfaner versucht hatten, ein Artefakt aus einer Kiste zu stehlen, dieses hing allerdings noch in einem Sack in irgendwo oben neben einem der Segel.

Jetzt muss ich auch los zur Besprechung bei der Admiralin, bin gespannt, was die dazu sagt und was in dem Sack nun drin ist.

 Später

Bei Hesinde…

Das Artefakt, das die Al’Anfaner stehlen wollten, ist ein Kristallschädel. Ein Kristallschädel mit einem dritten Auge auf der Stirn.

Laut Orchit stammt er aus dem Depositum der göttlichen Gnade auf den Zyklopeninseln, von wo er geborgen wurde, kurz bevor (beziehungsweise während) dieses niederbrannte. Orchit hat wohl schon selbst versucht, das Artefakt zu analysieren und sagte, es sei definitiv magisch und definitiv ein Artefakt, allerdings habe er keinen Erfolg mit seiner Analyse gehabt. Der Schädel würde aber vielleicht aus dem Güldenland stammen.

Arivorer meint, dass er sich entsinne, dass vor etwa sechshundert Götterläufen eine Güldenlandflotte Al’Anfa angelaufen hat (die Gesandten wurden dann wohl als Ketzer hingerichtet…) und dass diese vielleicht den Schädel mitgebracht haben und dass die Al’Anfaner vielleicht deshalb Aufzeichnungen über das Artefakt haben könnten und es deshalb haben wollen.

Admiralin Harika hatte im Übrigen keine Ahnung, dass das Ding an Bord der Shafir ist…

Ich wüsste nur zu gerne, was es mit dem Schädel auf sich hat…

 Meer der sieben Winde, 17. Phex 1023 BF

Eben hatten wir eine große Besprechung mit allen drei Kapitänen. Sie haben übereinstimmend beschlossen, die Al’Anfaner jetzt anzugreifen, ehe sie noch mehr Schaden anrichten können. Und mit „jetzt“ meine ich gleich und sofort! Ich hatte ja vorgeschlagen, erst noch den Gefangenen auszuhorchen oder vielleicht zu überlegen, ob wir es irgendwie schaffen, einen Plan zu entwickeln, wie wir irgendwie während des Angriffes an die gestohlenen Seekarten kommen…aber nein, es muss natürlich alles in Schutt und Asche geschossen werden.

Wir fahren jetzt ein Fontänenmanöver…also soll heißen, die „Shafir“ tut so, als fiele sie zurück und wir und die „Tolman“ scheren nach links und rechts aus und wenn die Al’Anfaner dann zur „Shafir aufgeschlossen haben, greifen wir sie an und hoffen, dass sie sich auch nach links und rechts aufteilen, so dass jeder nur einen Gegner bekommt.

Hier ist jedenfalls alles vorbereitet. Die Soldaten und Söldner sind in Bereitschaft, alle sind bewaffnet und gerüstet und Kimmerkorn tobt übers Schiff und redet mit seinen Rotzen. Die Al’Anfaner können also kommen…

 Später

Wir haben gesiegt. Nun ja, das kommt nicht besonders überraschend. Das Schiff, mit dem wir unser Gefecht ausgetragen haben, hatte uns allerdings einiges entgegen zu setzen. Die „Bal Honak“ ging quer bei, wir feuerten einige Salven hin und her, dann allerdings zeigte sich, dass sie eine …. An Bord hatten und kurz darauf waren sie so dicht heran, dass sie auf uns feuern konnten und bei uns an Bord Feuer ausbrach. Harika befahl daraufhin, in den Enterkampf zu gehen. Die … hatte sich allerdings bald erledigt, denn Orchit riss sie mitsamt dem daneben stehenden Soldaten und dem Magier in den Limbus…er ist wohl einer der Wenigen, der diesen seltenen  Zauber beherrscht…grauenvoller Anblick.

Auf jeden Fall begann dann der Nahkampf. Yidayion musste sich natürlich wieder auf das Gefährlichste stürzen, was er finden konnte und begann einen Kampf mit dem Korgeweihten, den die Al’Anfaner dabei hatten. Keine Ahnung, wie der Kampf unter normalen Umständen ausgegangen wäre, aber der Geweihte wollte irgendwann über die schwankende Planke auf unser Schiff herüberstürmen und dabei stürzte er ab.

Fadril und ich hatten hingegen die Idee, in dem feindlichen Schiff nach den Seekarten zu suchen und schwangen uns an einem Seil durch ein Fenster der „Bal Honak“. Drinnen suchten wir uns rasch den Weg zur Kapitänskajüte, wo die Kapitänin grade fliehen wollte (was wir nicht sofort verstanden, aber sie hielt so eine seltsame Kugel in der Hand, die sich nachher wegteleportiert hat, also anscheinend wollte sie mit der Kugel mittels eines Teleports verschwinden). Fadril schlug sie nieder, dann durchsuchten wir die Kabine und fanden leider keine Karten, aber wenigstens das Logbuch des Schiffes und sonst noch so einiges (vor allem Gold und jede Menge Alkohol). Wir nahmen alles mit und sahen, dass wir wieder wegkamen.

Die „Bal Honak“ war inzwischen in Brand geraten und begann zu sinken. Einige der Leute auf dem Schiff flüchteten noch auf die „Lamea“. Viele waren tot und manche, so wie die Basaltfäuste, von denen eine Hand auf dem Schiff war, zogen es vor, dort zu sterben.

Aus dem Logbuch weiß ich inzwischen, dass die Kapitänin, die mit ihrem Schiff untergegangen ist, Grandessa Valeria Bonareth war und dass das zweite Schiff die Mohazinth unter Capitano Coragan Kugres ist. Dieses Schiff ist leider entkommen. Von Chetoba hat es natürlich mit Hylailer Feuer beschossen, doch leider konnte man unter der schwarzen Bemalung nicht erkennen, dass die Schiffe aus Steineiche gebaut waren, und so ist das zweite Schiff angeschlagen davon gesegelt. Aus dem Logbuch geht noch hervor, dass die beiden Schiffe das Güldenland erreichen und möglichst viel davon in Besitz nehmen sollten. Außerdem sollten sie einen Außenposten dort errichten, deshalb hatten sie auch sehr viele Baumaterialien an Bord und auch die Besatzung bestand zu einem großen Teil aus Handwerkern. Die etwa zwei Dutzend Leute, die sich an Bord unseres Schiffes gerettet haben, sind alles Handwerker.

Noch später

Inzwischen hat Harika ihr Urteil über die Überlebenden der „Bal Honak“ gesprochen. Sie werden mit einer Kiste Zwieback und einem Fass Wasser in einem Beiboot ausgesetzt. Ein Götterurteil, sozusagen. Vielleicht schaffen sie es ja, ihr anderes Schiff zu erreichen.

Die Verräter von der „Shafir“, die den anderen Besatzungsmitgliedern das Schlafgift verabreicht haben, sind allerdings allesamt hingerichtet worden.

Gibts denn mal wieder was Neues?

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Tja, keine Ahnung. An sich ist es ja kein Problem für mich, die ohnehin schon vorhandenen Einträge einmal die Woche online zu stellen. Allerdings hab ich das Gefühl, dass das Blog so gut wie keine Leser hat, insofern weiß ich auch nicht, ob ich damit weitermachen soll.

Daher mal eine kleine Umfrage:

 

Ich freue mich auch immer über Kommentare, Anregungen, Fragen oder sonstige Reaktionen!

Curima

9. Phex 1023 BF – 14. Phex 1023 BF

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Meer der sieben Winde, 9. Phex 1023 BF

Janna ist immer noch nicht aufgewacht und im Moment bin ich wieder mit der Wache an der Reihe. Der Tag heute ging schon gut damit los, dass Yidayion von Jost Kimmerkorn, dem Geschützmeister  und Hauptmann der Soldaten, gefragt wurde, ob er wüsste, wo Denderan steckt. Er hatte aber auch keine Ahnung und so gingen wir auf die Suche. Nach einiger Zeit fanden wir ihn auch – schlafend und splitternackt im Kabelgatt! Es stellte sich schnell heraus, dass ihn letzte Nacht die Hexe zu sich gelockt und mittels eines Zaubers dazu gebracht hatte, die ganze Nacht mit ihr zu verbringen. Dabei hat sie wohl noch versucht ihn auszufragen – zum Glück wusste er auch nicht viel mehr als der Rest der Mannschaft. Wir fanden bei der Gelegenheit aber noch heraus, dass die Öffnung für die Ankerkette so verbreitert worden war, dass ein sehr schlanker Mensch sich hindurch zwängen könnte, also ist die Hexe wohl so herein gekommen. Inzwischen ist das wohl instand gesetzt worden.

Ansonsten habe ich heute noch zugehört, wie Fadril seine erste Unterrichtsstunde gehalten hat, was viel Spaß gemacht hat und mehr gibt es nicht zu berichten – Janna starrt immer noch vor sich hin und ist nicht ansprechbar und wir können nur hoffen, dass sie bald aufwacht. Wenn Orchit recht hat, dann wird es aber noch bis in die Nacht hinein dauern.

Später

Janna ist tatsächlich aufgewacht. Wir haben Orchit geholt, der sie jetzt etwa eine Stunde lang mit einer besonders tiefgehender Variante des „Blick in die Gedanken“ untersuchen wird.

Noch später

Es gibt wirklich Sachen, die man kaum glauben mag…

Nach allem, was Orchit uns erzählt hat, heißt Janna wirklich Janna und ist ein Waisenkind irgendwo aus dem Horasreich, das von den Leuten der Hand Borons von der Straße geholt wurde. Sie haben anscheinend irgendwo ein Landhaus, in dem sie sie gezielt zur Spionin ausgebildet haben, allerdings so geschickt, dass sie glaubt, das ganze ist ein Spiel. Nach allem, was Orchit herausgefunden hat, weiß sie rein gar nichts über Politik, Loyalität, das Horasreich oder Al’Anfa, sie weiß nur, dass sie auf dieses Schiff geschickt wurde um ein Spiel zu spielen. Hinter der ganzen Organisation steckt eine Frau, die sie als ihre „Mutter“ ansieht. Ich vermute, dass das die Frau ist, die die Hand Borons im Horasreich anführt (und wiederum diejenige, die damals mit uns aus Yaquirofest entkommen ist).

Es ist wirklich ein unglaublich scheußliches Unterfangen…

Malponeo sagt, er kann vielleicht über lange Zeit etwas ausrichten, wenn er mit Janna redet. Für den Moment haben versucht, ihr begreiflich zu machen, dass sie erwischt wurde und das Spiel jetzt für sie vorbei ist.

Meer der sieben Winde, 10. Phex 1023 BF

Gestern Nacht ist nichts mehr passiert. Keine Hexe und auch sonst kein Al’Anfaner in Sicht. Janna ist friedlich und bleibt erst einmal in der Kabine von Yidayion und Malponeo. Wir haben ihr vorhin Murbel, den Kater, gebracht, was sie zu freuen scheint. Sie scheint vieles hier auf dem Schiff wirklich zu mögen, auch Harika zum Beispiel. Anscheinend war es wirklich nur ein Spiel für sie, die Hexe in die Kabine zu lassen.

Heute Morgen hat Tsabella zum ersten Mal eine Predigt gehalten. Hinterher wünschten glaube ich so einige, sie hätte es nicht getan, denn sie forderte natürlich alle auf, nach Freiheit zu streben, ihre Ketten abzuwerfen und so weiter. Piendo stürzte danach sofort in ihre Kabine und ich konnte ihn bis aufs Deck schreien hören, dass sie „so eine Scheiße gefälligst lassen soll“.

Danach war sie wohl ziemlich niedergeschlagen, also ist Fadril zu ihr gegangen, um sie zu trösten. Ich weiß nicht, was er gemacht hat, aber kurze Zeit später kamen die beiden wieder nach oben und fingen an, auf dem Deck zu tanzen. Dann begannen noch einige zu musizieren und ein paar Minuten später war das ganze Deck mit tanzenden Menschen gefüllt. Ich wurde leider auch aufgefordert und durfte wieder feststellen, dass es kaum etwas gibt, was ich so schlecht kann wie tanzen…aber naja, es war trotzdem lustig.

Mittags dann sichteten wir in einiger Entfernung seltsame Bewegungen im Wasser und bewegten uns bald darauf auf ein Feld von Krakenmolchen zu, die sich hier in großer Anzahl paarten. Harika erzählte, dass es alle paar Götterläufe im Golf von Prem eine Plage von Krakenmolchen gibt. Anscheinend scheint an dieser Stelle der Ursprung zu sein, denn die Tiere waren wirklich wie wild dabei, sich zu vermehren. Wir sind dann mit dem Schiff durch das Molchfeld gefahren, haben ein paar Mal auf die Molche geschossen und den Laich so gut es ging zerstoßen. Vielleicht wird die nächste Plage dann nicht ganz so schlimm.

Meer der Sieben Winde, 11. Phex 1023 BF

Sieht aus, als ob wir Sturm kriegen würden. Ob uns als nächster der sieben Winde nun der Rondrikan heimsucht? Die Seeleute sind jedenfalls dabei, alles auf und unter Deck so gut wie möglich festzumachen und auch ich habe meine Sachen noch mal so gut wie möglich gesichert. Gleich müssen wir unsere Kabinen verlassen und uns alle vorsichtshalber unter Deck begeben. Hoffentlich wird es nicht so schlimm….

Meer der Sieben Winde, 12. Phex 1023 BF, vormittags

Wie erwartet sind wir gestern in einen Sturm geraten, zum Glück ist alles halbwegs glimpflich abgelaufen. Bis auf wenige Matrosen sind alle unter Deck gegangen, als das Wetter draußen richtig zu wüten begann. Zusammengepfercht zwischen der Ladung saßen wir alle dort unten und beteten zu den Zwölfen und vor allem zu Efferd, dass unser Schiff den Sturm überstehen möge. Zwischendurch gab es immer wieder Aufregung: Teile der Ladung lösten sich und rutschen durch den Frachtraum und später hatten wir ein Leck in der Bordwand, dass der Schiffszimmerer zusammen mit Fadril und einigen anderen schnell behelfsmäßig schließen musste.

Irgendwann mitten in der Nacht hörten wir draußen Hilfeschreie, woraufhin Fadril, Yidayion und ich nach oben geklettert sind. Draußen war es kaum möglich, sich zu bewegen, zum Glück waren überall Seile auf Deck gespannt. Einer der Matrosen war aus den Wanten gestürzt und verletzt, diesen haben wir unter Deck geschafft (eher geworfen, um ehrlich zu sein, aber anders ging es nicht). Als wir dann draußen waren und schauten, ob es noch mehr zu tun gab, geschahen zwei seltsame Dinge: Erstens sagen wir seltsame bläuliche Blitze und Funken überall, die wir als „St. Ilida – Feuer“ erkennen konnten (angeblich ein efferdheiliges Phänomen, das zur Bekämpfung des Namenslosen auftritt (wie…passend)) und zweitens gab es plötzlich ein schauerliches, langes Heulen, das überall zu hören war und das definitiv nicht vom Sturm herrührte. Überaus seltsam.

Nun ja, wir kletterten, als es nichts mehr zu helfen gab, wieder unter Deck. Langsam flaute der Sturm ein wenig ab und schließlich schlief ich auch einige Stunden im Frachtraum ein. Heute Morgen wurde es dann so ruhig, dass alle wieder den Frachtraum verlassen konnten. Das Schiff ist ziemlich mitgenommen, auch wenn zum Glück kein Mast fehlt. Es wird wohl den ganzen Tag repariert werden. Leider gibt es auch drei Tote unter den Matrosen.

Nachmittags

Wieder geht etwas Komisches vor sich – Selchion, der Smutje, meldete eben, dass sich jemand an den Vorräten vergriffen hätte. Tatsächlich war eine ganze Kiste Schiffszwieback mit Salzwasser verdorben worden. Malponeo hat die Kiste mit einem Zauber wieder brauchbar gemacht. Yidayion hat allerdings neben der Kiste eine kleine, aus Muscheln gemachte Figur einer Meerjungfrau gefunden. Wir haben mit Selchion, seinem Gehilfen Esindio, den Wachen vor der Vorratskammer sowie Kaplan Piendo und Raskaja gesprochen, doch keiner kann sich einen Reim darauf machen und die Kammer war auch nie unbeaufsichtigt. Was das wohl schon wieder soll? Und wenn das eine Sabotage sein soll, wieso ist sie dann so dilettantisch ausgeführt?

Meer der sieben Winde, 13. Phex 1023 BF

Heute morgen wieder verdorbene Lebensmittel, diesmal eine mit Salzwasser getränkte Kiste mit Tee. Daneben wieder eine Figur einer Meerjungfrau.

Ich habe ja die These in den Raum gestellt, dass das Ding von einem Necker stammt, der uns damit irgendwas sagen will, allerdings haben die anderen wohl recht damit, dass ein Necker auch nicht durch Wände gehen oder Wasser durch selbige bewegen kann…

Ansonsten schwanken unsere Dispute im Moment zwischen einem Geist und einem Kobold bzw. Klabauter. Beides hält Orchit jedenfalls für möglich. Aber wenn dem so ist – wo bei Hesinde kommt der mit einem Mal her? Heute Nacht werden wir auf jeden Fall Wachen in der Vorratskammer aufstellen.

Später

Soeben hatten wir eine höchst seltsame Begegnung mitten auf dem Meer.

Wir passierten mehrere Flöße (!), auf denen eine ganze Menge Fischmenschen, genauer gesagt, Ziliten, reisten. Durch eine Liturgie konnte Fadril verstehen, was sie sagten (sie sprechen anscheinend eine Sprache, die sie mit ihren Kiemen von sich geben und die ansonsten nur ein anderes Volk von Fischmenschen, nämlich die Risso, verstehen, die sich allerdings auch mit Menschen verständigen können, wenn sie denn eine menschliche Sprache lernen. Faszinierend!) und Hochwürden Arivorer hat mit ihnen auf Rssah gesprochen, was sie anscheinend verstehen, aber aufgrund ihrer Anatomie nicht sprechen können. Jedenfalls teilten sie uns mit, dass sie ebenfalls auf dem Weg ins Güldenland sind, weil sie dort eine Art Sumpfland suchen, welches ihnen der Lichtvogel als neue Heimat prophezeit hat (wenn ich das richtig verstanden habe). Leider hatten wir sie schnell überholt und konnten nicht lange mit ihnen sprechen.

Man kann sich vorstellen, dass wir alle einigermaßen verblüfft waren!

Nachts

Bin grade zurück von meiner Wache in der Vorratskammer. Es ist rein gar nichts passiert…

Noch später nachts

Während Malponeos Wache wurde plötzlich ein Mehlsack von einem Moment auf den nächsten nass und er fand noch eine Statue dort, konnte allerdings auch kleine Hand- und Fußabdrücke entdecken (womit der Geist wohl ausscheidet). Wir haben dann Orchit geholt, der einen Occulus gewirkt hat und uns mitteilte, dass es sich vermutlich um einen Kobold handelt, allerdings einen, der nicht mit unserem Schiff verbunden ist (ein Klabauter ist anscheinend immer mit einem Schiff verbunden und beschützt dieses Schiff und kann dies auch mit sehr mächtiger Magie tun).

Ach ja. Das nächste Mal, wenn ich mitten in der Nacht in einen Frachtraum voller ungehobelter Seesöldner gehe, ziehe ich mir besser vorher etwas an.

Meer der Sieben Winde, 14. Phex 1023 BF

Das Rätsel ist gelöst!

Fadril kam irgendwann auf die zündende Idee – nämlich, dass die Meerjungfrauen ein bisschen so aussehen wie die Verzierungen auf der Kiste, die wir aus Havena geholt haben. Wir eilten also zu dem Raum mit der Kiste, Fadril überzeugte die Wache, uns hereinzulassen, wir betraten den Raum und dort fanden wir ihn dann: Nekkomak.

Nekkomak war oder vielmehr ist der Klabauter des Schiffes von Buan Bruadir, dem längst verstorbenen Güldenlandfahrer. Leider ging das Schiff bei einem Sturm unter, weil es gegen die Küste gedrückt wurde. Damit der Klabauter nicht zugrunde ging, baute der Kapitän aus den Trümmerteilen die Kiste, oder wie sich Nekkomak ausdrückt, sein „Kistenschiff“. Als die Kiste dann in Havena überflutet wurde, legte er sich schlafen…und schlief und schlief, bis er vorletzte Nacht von dem Sturm aufwachte und entsetzt feststellte, dass er an Bord der „Lamea“ ist. Das seltsame Heulen und Jaulen geht übrigens auch auf seine Kappe.

Jedenfalls will Nekkomak eigentlich gern wieder zurück nach Havena und hat deshalb auch unsere Lebensmittel verdorben und die Botschaften in Form der Statuen dort hinterlassen – er dachte natürlich, er hätte sich unmissverständlich ausgedrückt…

Nach langem Hin und Her haben wir mit ihm ein Abkommen geschlossen: Er wird nichts tun, was dem Schiff oder der Mannschaft schadet und uns im Güldenland die Kupferplatte in der Küste überlassen. Dafür werden wir ihn mit seiner Kiste so bald wie möglich auf dem Festland absetzen und ihm sein „Kistenschiff“ mit Rum oder anderem Alkohol füllen.

Was ist das nur schon wieder für eine Geschichte? Wer konnte ahnen, dass in der alten Kiste ein Klabauter wohnt – der im Übrigen schrecklich seekrank ist und die ganze Zeit jammert, dass ihm schlecht ist?

Im Übrigen meinte er, dass hier an Schiff etwas/jemand ist, der „stinkt“. Was auch immer das für einen Kobold heißen mag, gut ist das bestimmt nicht…

Nun ja. Auf jeden Fall haben wir nun zusätzlich zu allen sonstigen Absurditäten auch noch einen seekranken Klabauter an Bord. Eigentlich muss ich sagen, dass mir der kleine Kerl sogar ganz nett erscheint.

5. Phex 1023 BF – 8. Phex 1023 BF

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Meer der sieben Winde, 5. Phex 1023 BF

Heute Morgen hätte eigentlich Tsabella die Predigt halten müssen, aber keiner war so wirklich überrascht, dass sie nicht aufgetaucht ist. Kaplan Piendo ist dann für sie eingesprungen. War vielleicht auch besser so, denn die Mannschaft ist schon wieder in ziemlich schlechter Stimmung. Gestern erst die Geschichte mit der unterbrochenen Segnung, und nun nähren wir uns auch noch einem Teil des Ozeans, den man die „See der klagenden Glocken“ nennt. Angeblich sollen dort schon dutzende Schiffe gesunken sein und unter dem Meer soll eine versunkene Stadt liegen. Was für ein Unsinn! Aber die Seeleute glauben es natürlich und Bulacio, Dilgas Stellvertreter, der es eigentlich besser wissen sollte, ist auch noch der Schlimmste im erzählen von diesen Gruselgeschichten…

Naja, aber eigentlich haben wir andere Probleme, die etwas handfester sind. Tsabella tauchte nämlich im Laufe des Tages doch noch auf und hatte in ihren Haaren haufenweise Federn von den Möwen, die hier ab und zu herumfliegen, allerdings auch eine Eulenfeder, die sie hier an Bord gefunden hat. Dummerweise hatte die Hexe der Hand Borons, die mir im Windhag entwischt ist, auch ein Eule dabei…es sieht also ganz so aus, also wäre diese unter unseren Verfolgern. Wir haben Harika  natürlich sofort davon erzählt. Allerdings ist diese nach wie vor der Meinung, dass die Al’Anfaner uns wohl nur verfolgen wollen und dass sie sie abhängen kann. Sie meint allerdings, wir haben wohl bestimmt noch einen Spion an Bord und wir sollen uns mal umsehen. So insgesamt könnte man sagen, dass sie mich, Fadril, Malponeo und Yidayion zur Sondereinheit für alles, womit sich sonst keiner rumschlagen will, ernannt hat…war ja klar, dass so was wieder mir passiert…

Nachher ist jedenfalls noch ein Treffen der drei Schiffe vorgesehen, damit sich die drei Kapitäne besprechen können. Chetoba benutzt auch schon den ganzen Tag seine Militärsignale (natürlich nur für  Sachen, die hier jedem sowieso klar sind…). Wenigstens geht er Harika genauso auf die Nerven wie mir. Aber meine Wette mit Malponeo läuft noch…

 See der klagenden Glocken, 6. Phex 1023 BF

Heute morgen große Aufregung bei Tsabella. Die Tsaflagge, die sie am Schiff angebracht hatte, ist verschwunden. Wir haben nach einigem Suchen einen Streifen davon gefunden, der sich in den Leinen verfangen hatte. Aber wer sollte eine Tsaflagge vom Schiff entfernen und dann auch noch in Stücke reißen? Magisch war der Fetzen jedenfalls nicht, sagen die Magier.

Das alles gefällt mir gar nicht. Die Stimmung auf der „Lamea“ wird in jedem Falle von Tag zu Tag schlechter und jetzt bekommen es langsam diejenigen zu spüren, gegen die die abergläubischen Seeleute ohnehin einen Groll hegen. Sowohl unsere Bordmagierin Raskaja, die von den Thorwalern abstammt (obwohl sie sich durch und durch liebfeldisch verhält) als auch Tassilo, der Gehilfe der Malerin (er ist ein Albino und sieht wirklich etwas merkwürdig aus, aber er ist eigentlich ein netter Kerl, wie ich finde), werden den ganzen Tag schon misstrauisch bis feindselig angestarrt. Merkwürdig ist nur, dass er Tassilo, den ich auf höchstens fünfzehn Götterläufe schätze, mit Fassung trägt, während sich Raskaja in ihre Kabine zurückgezogen hat und sich dort verkriecht.

Dazu noch die See der klagenden Glocken, die wie gesagt alle fürchten…es ist wirklich deprimierend.

Außerdem hat der Beleman, der uns die ganze Zeit entgegen geweht hat, nachgelassen. Dafür scheint langsam Nebel aufzuziehen. Irgendwer hat erzählt, dass dies ein anderer der sieben Winde ist, den man Nuianna, Nebelbringer, nennt. Angeblich verhüllt der Nebel schreckliche Dinge…

Ich sag es ja – diese ganzen Seemannsgeschichten, es ist kein Wunder, dass sich hier alle vor ihrem eigenen Schatten fürchten.

Später

Falls dieses Buch mal irgendwann dem Militär oder irgendeiner Kirche in die Hände fällt, wird der nächste Absatz wieder einer von denen sein, die man daraus entfernen wird.

Aber ich schwöre, bei allen Zwölfen, es ist genauso passiert.

Heute Nachmittag also, als alle ohnehin schon unruhig waren, zog eine Nebelbank auf, die sich nach eingehender Beobachtung auf uns zuzubewegen schien.  Der Nebel kam näher und näher und plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchte ein anderes Schiff neben der „Lamea“ auf, das vollkommen von einem purpurnen Leuchten überzogen war. Dieses Schiff sah aus, als ob es geradewegs vom Grund des Meeres emporgekommen wäre, mit tausend Muscheln und Algen bedeckt und halb geborstenen Planken. Und dann kamen die Geister…durchscheinende Gestalten von Seeleuten stürmten von ihrem Deck auf unseres herüber und griffen uns an, unsere Waffen konnten sie nicht verletzen und gingen durch sie hindurch, doch ihre Waffen und ihre ganze Präsenz ließen einen zusammenbrechen, wenn man zu viel davon abbekam.

Ein Kampf brach auf dem Deck aus, die Geister waren keine guten Kämpfer, doch sie waren schwer zu besiegen und wenn doch einmal einer mit einer magischen Waffe bezwungen zusammenbrach, dann stand er dort, wo sein Leichnam auf dem anderen Schiff lag, gleich wieder auf. Yidayion hatte sich natürlich gleich in den Kampf gestürzt, während Malponeo, Fadril und ich ein wenig im Hintergrund geblieben waren. Trotzdem sahen wir alle vier, dass die Geister ein bestimmtes Ziel hatten: Sie versuchten, die Geweihten von unserem Schiff zu entführen! Tatsächlich schafften sie es, Tsabella zu schnappen und nahmen sie mit sich auf das andere Schiff, wo sie sie unter Deck brachten. Wir überlegten natürlich nicht lange und rannten ihnen nach, wobei wir uns erstmal durch die Geister hindurch kämpfen mussten. Auf dem Deck des anderen Schiffes sahen wir neben einigen Skeletten einen seltsamen Richtblock, auf dem noch ein Leichnam ohne Kopf lag, aus dessen Hals seltsamer purpurner Nebel quoll. Als wir weiter suchten, fanden wir die Kapitänskajüte und das Logbuch. Als wir rasch darin blätterten, konnten wir herausfinden, dass das Schiff „Decapus“ hieß und 822 BF unterwegs gewesen war. Aus dem Logbuch ging hervor, dass der Kapitän ein Geweihter des Namenlosen gewesen war und namenlose Kultgegenstände transportiert hatte. Die Mannschaft hatte dies während der Namenlosen Tage herausgefunden und ihn hingerichtet, dann hatte der Kapitän sie jedoch während seines Todes verflucht und so waren sie nun anscheinend als Geister an dieses Schiff gebunden.

Wir suchten weiter nach Tsabella und suchten das ganze Schiff ab, bis wir sie schließlich im untersten Deck in einem versteckten Raum fanden. Währenddessen war die „Tolman“ von der anderen Seite an das Schiff herangekommen, so dass die Geister sich auch noch die Rondrageweihte gegriffen hatten, die wir ohnmächtig im Nebenraum zurückließen. In dem versteckten Raum fanden wir nicht nur Tsabella, sondern auch einen seltsamen Altar des Namenlosen und einen untoten Seestern, der diesen bewachte sowie den Kopf des ehemaligen Kapitäns der „Decapus“, der zu allem Übel nicht nur ein Geweihter des Namenlosen, sondern auch noch ein Vampir war…

Wir bekämpften also den Seestern und den…Kopf. Genauer gesagt, Fadril und Yidayion kämpften, während Malponeo demjenigen einen Heilzauberer zukommen ließ, der ihn grade am dringendsten brauchte und ich die Tsageweihte von dem Altar befreite. Dummerweise erwischte mich dieser Seestern dann doch noch, als ich mit Tsabella grade aus seiner Reichweite fliehen wollte und ich stürzte zu Boden. Als ich mich nach einigen Momenten der Benommenheit dann grade wieder aufrappeln wollte, muss irgendwas schrecklich schief gegangen sein – jedenfalls brachen auf einmal die  Planken weg und ich landete in der Bilge. Natürlich war das genau der Moment, in dem dieser Kopf endlich besiegt war und infolgedessen das Schiff wieder seinen natürlichen Weg in Richtung Meeresgrund antrat….

Irgendwie schafften wir es aber doch noch alle, aus dem sinkenden Schiff zu fliehen. Allerdings sprach einer der Geister noch einmal zu uns und dankte uns dafür, dass wir den verfluchten Kapitän erschlagen hatten… doch er warnte uns und sagte, dass jemand dieses Schiff vom Meeresgrund gerufen hatte und dass die Macht, die in diesem Schiff lag, nun an diesen übergegangen wäre. Vermutlich meinte er damit die einzige andere Ladung außer dem Altar, nämlich die „Amphore mit Tränenwasser von sieben verfluchten Dienern der Zwölfe“, so sagt es jedenfalls die Frachtliste. Ich kann und mag mir gar nicht ausmalen, was das ist und wozu es gut sein soll. In jedem Fall hat irgendwer auf unserem Schiff dieses Geisterschiff gerufen. Was heißt: Wir haben einen Geweihten des Namenlosen an Bord…

Meer der Sieben Winde, 7. Phex 1023 BF

Gestern abend war noch Besprechung mit Harika, Bramstetter, von Chetoba und den Offizieren der „Lamea“, außerdem Hochwürden Arivorer und Spektabilität von Hirschfurten. Es wurde natürlich darüber geredet, was passiert ist. Arivorer folgerte von selber, dass dieses Schiff von jemandem von uns gerufen worden sein muss.

Haben natürlich keinem außer Harika selbst von dem Tränenwasser erzählt.

Heute bislang alles ruhig.

Ach ja, Yidayion hat einen Adjutanten bekommen, nämlich Denderan, den Soldaten, den wir aus Grangorella schon kennen. Ich weiß noch nicht so ganz, ob ich das gut finden soll. Ich habe den Eindruck, der gute Denderan würde für genügend Geld seine Großmutter an den Namenlosen verkaufen, aber naja, ich kann es ohnehin nicht ändern…

Meer der Sieben Winde, 8. Phex 1023 BF

Kaum zwei Tage nach der Geschichte mit dem Geisterschiff folgte heute der nächste Schlag, diesmal allerdings von Seiten der Al’Anfaner.

Es fing damit an, dass Harika ihre Kabine verwüstet vorfand und  darin Janna, das Schiffsmädchen, niedergeschlagen am Boden. Der Wutschrei unserer Admiralin war auch nicht zu überhören, so dass wir alle vier zu ihr eilten und das halbe Schiff mitbekommen hat, dass etwas passiert ist. Während Harika also Fadril losschickte um die Offiziere zu informieren, dass bei ihr anscheinend eingebrochen wurde, durchsuchten Harika, Yidayion und ich die Kabine und räumten wieder auf, um festzustellen, was fehlte. Dabei merkten wir dann schnell, dass alles noch da war – bis auf das Logbuch und Harikas Seekarten. Außerdem hat Yidayion ein langes lilafarbenes Haar gefunden, das sehr gut zu dieser verfluchten Hexe passt, die uns damals im Windhag begegnet ist.

Malponeo kümmerte sich währenddessen um Janna und versorgte ihre Wunde. Als sie wieder zu sich gekommen war, fragte er sie, was passiert war und ob sie gesehen  hatte, wer sie niedergeschlagen hatte. Sie sagte, sie sei von hinten umgehauen worden und haben keinen sehen können, allerdings meinte Malponeo, man könne an der Verletzung sehen, dass der Schlag von vorne gekommen sei. Als er ihr das vorhielt, wurde Janna auf einmal total apathisch und starrte nur noch vor sich hin, während aus ihrer Hand ein Ring zu Boden fiel.

Nun wurde das Ganze doch so seltsam, dass wir Orchit von Hirschfurten dazuholen mussten. Er ging mit Janna in seine Kabine, um sie zu analysieren, während wir überlegten, ob die Hexe noch an Bord sein konnte und wie wir sie finden könnten. Allerdings kamen wir nicht wirklich auf einen schlauen Plan. Nach einer Weile kam Orchit dann wieder, inzwischen waren auch die Offiziere eingetroffen, so dass sie nun auch Zeugen eines sehr seltsamen Schauspiels wurden:

Die immer noch völlig weggetretene Janna wurde von Orchit zum Schein mit einem Dolch angegriffen und wehrte diesen Angriff mit wenigen Handgriffen ab, so dass der Magier am Ende auf dem Boden lag. Wohlgemerkt, wir sprechen von einem dreizehnjährigen Mädchen!

Orchit erklärte dann, dass er davon ausgeht, dass Janna von den Al’Anfanern ausgebildet und als Spionin an Bord geschickt worden war. Bei dem Ring, den sie ausgelöst hatte, handelte es sich um einen Zauber, der dem Opfer die Erinnerung an einen bestimmten Zeitraum raubte, aber auch die Klugheit so verminderte, dass es so völlig geistlos wurde, wie Janna jetzt war. Er vermutet, dass die Wirkung etwa in anderthalb Tagen nachlassen wird. Allerdings hatte der Ring wohl noch eine andere Komponente beinhaltet, die dafür gesorgt hat, dass die Al’Anfaner wissen, dass Janna in Schwierigkeiten steckt. Vermutlich werden sie also versuchen, sie zu befreien oder sie unschädlich zu machen, ehe sie wieder sprechen kann.

Um Janna so gut es geht zu beschützen,  haben wir sie in der Kabine von Malponeo und Yidayion untergebracht. Zwei Leute sitzen immer bei ihr und halten Wache, das Fenster haben wir mit  Brettern verbarrikadiert, außerdem hat Raskaja einen Luftelementar beschworen, der sie beschützen soll (sie sagte dabei übrigens, dass das elementare Gleichgewicht gestört sei. Kann das an diesem namenlosen Artefakt liegen, was wir seit kurzem an Bord haben?)

Wir haben noch Jannas Sachen durchsucht und in ihrer Puppe ein kleines Gefäß mit Kelmon, einem Waffengift, gefunden.

Damit es noch einen offiziellen Grund für die Offiziersbesprechung gab, hat Fadril vorhin noch verkündet, dass er ab morgen die Leute an Bord unterrichten wird.

Tja, und so sitze ich hier und bewache eine dreizehnjährige Al’Anfanische Spionin. Wenigstens habe ich dabei genug Zeit, diese ganzen Ereignisse aufzuschreiben…

1. Phex 1023 BF – 4. Phex 1023 BF

Hafen Tul’ka’var, Mylamas, 1. Phex 1023 BF

Ich glaub es einfach nicht. Ich habe ja wirklich viel für möglich gehalten, aber dass das Horasreich auf der Zyklopeninsel Mylamas einen geheimen Hafen hat, der in einen von Zyklopen gebauten Höhle liegt und in dem zwei Kompanien und ein Regiment Soldaten stationiert sind, die es offiziell nicht gibt und in dem wir soeben erfahren haben, mit welchen Schiffen wir wirklich ins Güldenland fahren und zwar in elf Stunden (!!), das übersteigt irgendwie meinen Horizont. Oder würde es zumindest, wenn ich nicht ständig den Beweis dafür für Augen hätte. Und ja, die Höhle ist groß genug für all diese Schiffe. Zusätzlich liegt auch noch die „König Therengar“ hier, das Flaggschiff des Horasreiches, was wohl heißt, dass Staatsadmiral Quendt auch hier ist.

Wir fahren übrigens auf der „Prinzessin Lamea“, dem Schiff, mit dem auch die letzte Fahrt der Admiralin stattfand. Bramstetter fährt mit einer neu gebauten Schivonella namens „Prinz Shafir“ und Chetoba…also, der Mann hat wirklich einen seltsamen Humor, Chetoba fährt mit der „König Tolman“, der Schivone, mit der er Thorwal beschossen hat.

Harika hat eben nochmal mit uns gesprochen und uns bestätigt, dass die anderen drei Schiffe nur Tarnung waren, das so genannte „Xeledons Geschwader“. Werden jetzt mal ein wenig die Höhlen erkunden.

Später: Haben uns ein wenig umgesehen. Die Höhlen sind wirklich faszinierend. Im Inneren soll es eine zentrale Kaverne geben, in der noch Zeichen angebracht sind. Die würde ich zu gern sehen, allerdings kommt man da wohl nicht hin ohne einen Führer und es gibt da Höhlenspinnen und andere Monstrositäten. Schade.

Noch später: Wir haben unsere Sachen an Bord gebracht. Wir haben sogar Kabinen bekommen. Fadril und ich teilen uns eine, Malponeo und Yidayion die daneben. Auf der „Lamea“ werden insgesamt 72 Seeleute, 25 Söldner und 40 Soldaten der „Westwinddrachen“ stationiert sein.

Vorhin sind Surjeloff, dem bornländischen Tierkenner, seine Säbelzahnkaninchen weggelaufen. Haben ihm geholfen, sie wieder einzufangen. Er hat mir eins davon geschenkt. Es wohnt jetzt in einer Kiste in unserer Kabine und Fadril und ich sind nach längerem Überlegen übereingekommen, es Fortuna zu taufen.

Wieder später: Draußen tummelt sich so ziemlich alles, was Rang und Namen hat. Staatsadmiral Quendt habe ich schon gesehen, Abelmir von Marvinko hat mich auch grade gegrüßt, außerdem ist Napolemo ya Toreso da, das stellvertretende Oberhaupt des Ardaritenordens; der Wahrer der Ordnung des Horasreiches; Efferdan ui Bennain; ein weiterer Admiral…sie scheinen sich alle noch einmal zu versammeln.

In weniger als zwei Stunden geht es los. Dann werde ich wirklich und wahrhaftig Aventurien verlassen…

Bei diesem Gedanken, muss ich gestehen, gerate ich doch ein wenig in Panik, so dass ich mich frage, ob es wirklich die richtige Entscheidung war. Aber bei all den Hoffnungen, die in uns gesetzt werden, weiß ich dann doch wieder, dass ich es einfach versuchen muss…

 Auf dem Meer der Sieben Winde, 1. Phex 1023 BF

Nach einer Ansprache von Staatsadmiral Gilmon Quendt verließen wir unter den Augen von über eintausend Menschen den geheimen Hafen Tul’ka’var und segelten im letzten Licht der untergehenden Praiosscheibe gen Westen.

Ich blickte, so wie wohl die meisten an Bord, zurück zur Küste des Festlandes, die noch zu erkennen ist und die bald unseren Blicken entschwinden wird. Wir lassen alles zurück, was wir kennen und was uns vertraut ist, segeln los, einem unbekannten Ziel entgegen. Ob wir es erreichen und was uns dort erwartet, das mögen nur jene wissen, die hoffentlich schützend die Hand über unsere drei Schiffe halten, die so klein sind gegen den unendlich weiten Ozean, der sich vor uns erstreckt.

Später

Grade klopfte Spektabilität von Hirschfurten an meine Tür, der mir freundlicherweise noch einen Artikel des Aventurischen Boten und ein Exemplar des Aufrufes für die Expedition überreicht hat, damit ich sie aufbewahren kann. Leider erwischte er mich nicht grade in guter Verfassung, denn während alle anderen auf dem Schiff herumeilen und sich einrichten und mit ihren neuen Bekannten sprechen, ist mir ziemlich elend zumute bei dem Gedanken, dass wir gerade Aventurien auf unbestimmte Zeit verlassen haben. Ich werde mich jetzt mit Fortuna auf meine Koje (nennt man das so? Naja, auf mein Bett jedenfalls) legen und versuchen, einfach einzuschlafen…

 Meer der sieben Winde, zwischen den Zyklopeninseln, 2. Phex 1023 BF

Der erste Tag auf dem Schiff. Zur sechsten Stunde wurden wir geweckt und es gab Tee auf dem Hüttendeck, danach hat Kaplan Piendo eine Messe gelesen. Später gab es Frühstück. Die Matrosen und Soldaten sind bereits in ihre Vier-Stunden-Schichten eingeteilt und nachts wird man ständig wach, wenn die Stundenglocke läutet, spätestens aber beim Schichtwechsel, wenn mehrere Dutzend Leute durch das Schiff trampeln.

Malponeo erzählte, dass Dr. Lÿsvalis ihm gestern noch erzählt hat, wo sie im Notfall die Kranken behandeln werden. Ein eigenes Lazaratt gibt es wohl nicht, aber sie haben einen Platz auf dem Unterdeck dafür eingerichtet. Die Offiziere werden natürlich in ihren Kajüten behandelt.

Inzwischen haben wir noch einige Leute kennen gelernt, zum Beispiel die Navigatorin, die beiden Steuermänner (genauer gesagt, einen Steuermann und eine Steuerfrau), den Smutje und den Geschützmeister. Als wolle er dem entsprechen, was man sich über Geschützmeister so erzählt, war er den ganzen Tag betrunken. Außerdem glaube ich gehört zu haben, wie er mit einer Rotze geredet hat. Verrückter Kerl. Trotzdem gehört er zu den Schiffsoffizieren, zusammen mit der Navigatorin, Lÿsvalis, Raskaja und dem Kaplan.

Fadril war vorhin noch zu einer Besprechung der Geweihten. Sie haben beschlossen, dass jeder abwechselnd eine Predigt halten wird. Fadril ist übermorgen dran und überlegt jetzt schon, was er erzählen will. Ich persönlich bin ja schon gespannt auf die Predigt von Tsabella…

 Ach ja, ich war noch bei der Segelmacherin, diese wird mir an meine Ledertasche ein paar Stoffstreifen annähen, so dass ich dieses Buch und unsere anderen Aufzeichnungen über das Güldenland immer mit mir herumtragen kann. Man mag das ja misstrauisch nennen, aber nach den Geschehnissen der letzten Wochen neige ich doch dazu, meine wichtigen Dinge bei mir zu behalten.

 Meer der sieben Winde, zwischen den Zyklopeninseln, 3. Phex 1023 BF

Der Tag begann wie gestern mit Tee auf dem Hüttendeck, dann folgte eine Predigt von Orchit von Hirschfurten. Ich glaube, er hat sich bemüht, sie leicht verständlich zu halten, allerdings hatte ich schon Mühe, ihm zu folgen – wie mag es da den Matrosen gegangen sein?

Sonstige Erkenntnisse des Tages:

Auf dem Boden des Hüttendeckes befindet sich eine seltsame Zeichnung, ein roter Kreis mit Schutzzeichen des Praios und des Boron. Auf Nachfragen unsererseits erklärte man uns, dass diese Stelle Unglück bringen würde, wenn man sich dort hinstellt und die Seeleute deshalb dieses Zeichen da angebracht hätten, welches man „Uthars Zielscheibe“ nennt. Nun ja. Klingt für mich ziemlich nach Aberglaube.

Ansonsten habe ich noch gerüchteweise gehört, dass diese seltsame Malerin Daria di Vindest angeblich über Kontakte zum Grangorer Herzog auf das Schiff gekommen ist. Ob es stimmt? Keine Ahnung.

Wir haben noch versucht, aus Lÿsvalis herauszubekommen, welche Route wir nun genau nehmen werden, aber er wollte uns nur verraten, dass wir als erstes eine Insel namens Nagalosch anlaufen werden. Dummerweise ist diese auf unseren Karten nicht eingezeichnet, aber wir vermuten, dass es die Insel ist, die sich neben der Zeichnung des Kraken auf der Karte befindet.

 Meer der sieben Winde, südlich von Pailos, 4. Phex 1023 BF

Heute morgen hat Fadril zum ersten Mal seine Predigt gehalten und es war wirklich sehr mitreißend und großartig. Er hat ein Rätsel gestellt, welches die Mannschaft lösen soll, um Nandus näher zu kommen. Wirklich eine gute Idee…ich hab es leider schon herausbekommen.

Ansonsten hatten wir recht mit unserer Insel, Harika hat es heute bestätigt und uns auch gesagt, dass wir danach die Singenden Inseln anlaufen werden. Noch mehr wollte sie uns aber nicht verraten. Vermutlich werden wir heute Abend die letzten Ausläufer von Pailos sehen, was dann der wirklich letzte Anblick von aventurischem Land sein wird…

 Abends

Es sieht ganz so aus, als ob alle Geheimhaltung doch nicht bewirkt hätte, dass die Fahrt unbehelligt bleibt…es gab schon wieder einen schrecklichen Zwischenfall.

Als wir südlich an den Klippen von Pailos vorbeisegelten, stand oben auf den Felsen eine in bunte Gewänder gekleidete Frau, die wir bald als Geweihte des Aves erkennen konnten. Bei ihr waren noch zwei Jungen, die eine riesige bunte Feder trugen – einen heiligen Gegenstand der Aveskirche! Zusammen sangen sie auf Bosparano einen Schutzsegen für die Fahrt und schwenkten die Feder, als unsere Schiffe die Klippe passierten. Tatsächlich schien auch etwas zu passieren, die Farben sahen alle viel lebendiger aus, der Horizont schien näher zu rücken und Aves selbst schien uns seinen Segen für unser Unternehmen zu geben…

Allerdings nahm das Ganze ein jähes Ende, als auf einmal drei schwarz gekleidete Gestalten aus den Klippen kletterten und die Geweihte niederschlugen und mit sich fortschleppten. Sie war plötzlich nicht mehr zu sehen und musste wohl im Inneren der Klippe verschwunden sein. Malponeo benutzte einen Zauber, mit dem er sich in einen Vogel verwandeln kann und flog zu dem Felsen. Er berichtete nachher, dass er sie nicht mehr gefunden hatte, dass aber ein Boot an den Klippen gelegen hatte.

Alles in allem, so stellten wir nachher bei einer größeren Besprechung fest, mussten sie von unserer Route gewusst und hier auf uns gewartet haben… Der Verdacht liegt nahe, dass es sich wieder um die Al’Anfaner handelt, denn die drei Gestalten auf der Klippe erinnerten mich doch sehr an die Kämpfer der Hand Borons, mit denen ich mich nun leider schon zwei Mal herumschlagen musste.

Was das Ganze zu bedeuten hat und ob uns ein Angriff bevorsteht, ist keinem so richtig klar. Harika ist allerdings immer noch guter Dinge und zuversichtlich, die Al’Anfaner abhängen zu können, wenn wir erstmal auf offenem Meer sind.

In jedem Fall herrscht nun gedrückte Stimmung überall, vor allem wohl an Bord der „Prinz Shafir“, denn diese war noch nicht an der segnenden Feder vorbei gefahren, ehe die Geweihte zu Boden gerissen wurde. Zwei Matrosen sprangen sogar von Bord und schwammen auf das Ufer von Pailos zu, ehe sich die Lage etwas beruhigen konnte.

Trotz der beunruhigenden Lage waren bei Sonnenuntergang fast alle an Deck, um einen letzten Blick auf die Klippen von Pailos zu erhaschen. Die untergehende Sonne ließ sie hell aufleuchten, während wir uns immer weiter von ihnen entfernten und sie schließlich in der Dunkelheit zurückblieben. Nun liegt auch das letzte Stückchen Heimat hinter uns.

 

28. Firun 1023 BF – 30. Tsa 1023 BF

Ein Gasthaus in Albernia, 28. Firun 1023 BF

Sind nach einigen Stunden Schlaf weiter auf der Reichsstraße gelaufen. Kiste ist tatsächlich so leicht, dass man sie tragen kann. Habe gestern vergessen zu erwähnen, dass wir natürlich reingeschaut haben, nachdem Fadril das Schloss geknackt hat. Drinnen befindet sich eine Kupferplatte mit einer Karte von der Hafeneinfahrt von Balan Cantara.

Haben in einem kleinen Dorf Ausrüstung und ein Maultier namens „Farindel“ erstanden. Gegen Abend sind wir von der Reichsstraße gen Süden abgebogen und befinden uns nun auf einem Karrenweg, der uns über Altenfähr bis Weidenau führen sollte. Dort müssen wir irgendwie über den Fluss kommen.

Fadril und mir ist es gelungen, jeweils eine maßstabsgetreue Zeichnung der Karte anzufertigen. Sollte uns die Kiste doch noch gestohlen werden, stehen wir wenigstens nicht ganz mit leeren Händen da. Allerdings bin ich entschlossen, alles zu tun, um diese Kiste heil nach Grangor zu schaffen. Es haben in Havena viele Soldaten ihr Leben dafür geopfert….

 Weidenau, 29. Firun 1023 BF

Sind abends in Weidenau angekommen und haben einen Fischer gefunden, der uns, samt  Kiste und Maultier, morgen über den Fluss setzen wird.

 Irgendwo in der Wildnis, 30. Firun 1023 BF

Eine Stunde vor Sonnenaufgang wurden wir vom Fischer mitgenommen, sind auf der anderen Flussseite dann angelandet und den ganzen Tag marschiert. Müssen nun dem Fluss folgen, bis wir Avun erreichen.

Avun, 1. Tsa 1023 BF

Haben beschlossen, mit dem Schiff ein Stück nach Süden zu fahren, um Zeit zu sparen. Wir haben eine Kapitänin gefunden, die uns bis Kaltstetten mitnimmt. Laufen aber erst aus, wenn der Sturm sich gelegt hat.

 Kaltstetten, 2. Tsa 1023 BF

Der Wind stand günstig, die Reise dauerte nur einen Tag. Wir werden hier übernachten, morgen früh geht es auf in die Wildnis.

 Trivet, 8. Tsa 1023 BF

Nach einigen Tagen Marsch durch den Windhag haben wir heute Mittag endlich die Straße erreicht. Ein Fuhrwerk hat uns bis Trivet mitgenommen. Werden hier übernachten. Morgen sollten wir Krokenbruch eigentlich erreichen.

Malponeo hat eine Runde „Kaiser Valpos Entzücken“ (natürlich nicht in der Originalversion) gespielt und gewonnen. Danach war er immer noch komplett nüchtern. Alter Betrüger.

 Gutshaus Krokenbruch, 9. Tsa 1023 BF

Nachts: Beinahe hätten wir die Kiste noch verloren. Sen. Gerimaldi, dem wir die Kiste übergeben sollten, kam uns ein wenig seltsam vor, und je mehr wir nachfragten, desto seltsamer wurde er…

Es stellte sich dann schnell heraus, dass wir der Hand Borons in die Arme gelaufen waren. Zum Glück hatte Yidayion schnell reagiert und den vermeintlichen Gerimaldi gleich niedergestochen, so dass wir es nur noch mit einem Kämpfer und einer Hexe zu tun hatten. Den Kämpfer hat Yidayion erschlagen, allerdings hatte er schon vorher ein Gift geschluckt, damit wir ihn nicht mehr befragen können. Die Hexe ist leider entwischt, obwohl ich noch versucht habe, sie zu verfolgen. Den vierten Agenten konnten wir aussperren, dieser entkam dann auch zu Pferd. Ich vermute, dass ein fünfter in einiger Entfernung bei den Pferden gewartet hat. Nun ja, immerhin haben wir zwei ausgeschaltet und sind selbst nicht allzu schwer verletzt worden. Das hätte auch anders ausgehen können, diese Leute sind wirklich gefährlich. Gerimaldi und seine Tochter sind leider tot. Werden Borongeweihte herschicken.

Wir haben beschlossen, dass es zu gefährlich ist, weiter auf dem Landweg zu reisen. Wir müssen in Harben ein Schiff nehmen. Dazu müssen wir aber durch den Zoll…

Uns bleibt nichts übrig, als ein Dokument des Adlerordens zu fälschen, das die Kiste als genehmigten Transport der Nanduskirche ausweist. Wenn Fadril, wie er behauptet, ein Siegel schnitzen kann, dann kriege ich den Rest hin…

 Harben, 10. Tsa 1023 BF

Phex sei’s gedankt, es hat alles geklappt! Wir sind auf einem bornländischen Handelsschiff, das jeden Moment ablegen wird und vermutlich morgen schon in den Grangorer Hafen einläuft. Fadril hat es tatsächlich geschafft, aus einer Steckrübe ein Siegel des Adlerordens hinzukriegen…

Grangor, 11. Tsa 1023 BF

Sind zurück in Grangor. Haben die Kiste an Ensignia ya’Torese übergeben, die sie von mehreren Soldaten der Westwinddrachen überwachen lässt.

Abends: Fadril und Malponeo waren beim Kontor des Händlers Ruut und haben ihm vom Tod seines Sohnes berichtet. Sicherlich keine schöne Aufgabe…

Danach waren wir noch etwas essen und sind dann zurück in Richtung Kriegshafen gegangen, als ein Bettler uns angeboten hat, uns die Karten zu legen. Wir waren neugierig, was dabei wohl herauskommt, und haben die zwei Silbertaler geopfert. Also ich weiß nicht, ob dieser Bettler ein Betrüger ist oder ob er etwas von dem versteht, was er da tut, aber wenn dem so ist, dann waren es recht beunruhigende Karten. Sie sprachen zwar von Reise und von Neubeginn, aber auch von Wachsamkeit, Gefahr und Verrat, von Verirrung und von der Gefahr, den Glauben zu verlieren – und als letztes kam die Karte von dem, der keinen Namen trägt…

Grangor, 13. Tsa 1023 BF

Heute Abend hat Sumudan von Aldyra uns nochmals empfangen. Er hat uns tatsächlich sogar gelobt für unsere erfolgreiche Rückkehr mit der Kiste.

Fadril bekommt auch das Geld zurück, was er ausgelegt hat für unsere ganze Ausrüstung. Wenn ich bedenke, dass wir auch noch das Pferd von diesem bedauernswerten Gerimaldi und die Waffen der Al’Anfaner verkauft haben, dürfen wir insgesamt sogar Gewinn gemacht haben…

Außerdem habe ich endlich erfahren, wieso wir einen mittelreichischen Gesandten dabei haben: Anscheinend hat das Mittelreich, bzw. die KGIA, etwas über die Fahrt herausbekommen und dann durchgesetzt, dass ein Gesandter mitkommen darf. Dass es ausgerechnet dieser Wilbur ist, lag von an einigen diplomatischen Fehlschlägen. Und ich dachte immer, so was würde nur im Horasreich passieren…

 Grangor, 26. Tsa 1023 BF

In den letzten zwei Wochen ist außer täglichen Übungen nicht viel Spannendes passiert. Heute Abend haben wir allerdings Hochwürden Rodothe ab Djugan’Kaij (muss sie irgendwann fragen, woher ihr Name kommt, der sich aus mittelländischen, tulamidischen und südaventurischen Bestandteilen zusammenzusetzen scheint) getroffen, die dabei war, den Sternenhimmel zu beobachten. Sie will ein Horoskop für die Fahrt erstellen.

Fadril hat sich an der Betrachtung des Himmels beteiligt. Er scheint ein echter Kenner zu sein, oder Nandus hat ihn in diesem Moment erleuchtet, auf jeden Fall hat er eine profunde Deutung von sich gegeben, die seltsamer Weise so einiges von dem wiederholt, was die Karten dieses Bettlers neulich angedeutet haben…

Grangor, 29. Tsa 1023 BF

Ist das das Ende unserer Expedition? Die Güldenlandflotte liegt in Trümmern, viele der Seesoldaten sind tot, ganz Grangor ist fassungslos…

Doch von vorne…

Heute Morgen befanden wir uns zufällig auf der „Horasadler“, da Commodore von Chetoba uns kennen lernen wollte. Er stellte uns einige Fragen, wohl um unsere Gesinnung zu prüfen. Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll…allein die Tatsache, dass er Thorwal in Brand geschossen hat, machte ihn mir eigentlich unsympathisch, allerdings nach dem heutigen Tag…

Wir wollten nach dem Gespräch, was zum Ergebnis hatte, das er uns wohl nicht besonders mag, eigentlich grade wieder gehen, als plötzlich im ganzen Hafen althjaldingscher Gesang ertönte. Man muss dazu noch sagen, dass es so neblig war, dass man kaum ein paar Schritt weit sehen konnte.

Auf einmal tauchten jedenfalls Drachenboote aus dem Nebel auf, voll besetzt mit Thorwalern! Ich weiß nicht genau, wie viele es waren, aber sie verteilten sich über den Hafen und griffen die Schiffe an, natürlich auch die Horasadler. Auf einmal flogen überall Enterhaken an  Bord und sie kletterten nach oben. Alle waren schwer bewaffnet und völlig blind vor Wut. Unsere Seesoldaten hatten nur Gardeuniformen an und gar keine Rüstung, in der Unterzahl waren sie auch noch…

Auf Deck wurde dann gekämpft, mindestens einhundert Thorwaler gegen vielleicht sechzig Soldaten. Von Chetoba stürmte an Deck und übernahm das Kommando, allerdings fiel die Verteidigungslinie immer weiter zurück. Ich habe auch versucht, mich mit einem von denen anzulegen, allerdings bin ich beim ersten Treffer gleich umgefallen. Malponeo hat mich unter Deck geschleppt, so wie die anderen Verletzen auch. Yidaion und Fadril haben ganz vorn mitgekämpft, Yidaion scheint sogar die Anführerin von den Thorwalern erschlagen zu haben. Irgendwann haben sie sich zum Glück zurückgezogen, als die Magierin, die sie dabei hatten, das Schiff angezündet hat. Ich habe dann mit den anderen leicht Verletzten angefangen zu löschen, allerdings ist die Horasadler trotzdem schwer beschädigt.

Als der Nebel sich aufgelöst hat, haben die Geschütze die Drachenboote ziemlich schnell versenkt…eines hat es trotzdem nach Grangor geschafft und bis die Stadtgardisten zur Stelle waren, haben die Thorwaler ein Blutbad unter der Bevölkerung angerichtet. Die meisten von den Angreifern hatten die Swafnirrune auf die Stirn gebrannt. Sie haben nicht damit gerechnet, zu überleben…

Die „Horasadler“ ist noch am besten weggekommen. Die „Belarius“ hat keinen einzigen Mast mehr und die „St. Ingalf“ ist, dank eines Eigentreffers der horasischen Geschütze (!), gesunken.

Keine Ahnung, was jetzt passiert. Ob wir überhaupt noch fahren? Und wenn ja, wann?

Das Bankhaus Bosparan dürfte jedenfalls nicht erfreut sein…

Karacke „Bleibtreu“, 30. Tsa 1023

Es ist alles mal wieder höchst mysteriös. Da geht die Güldenlandflotte sozusagen unter und Admiralin Harika kommt fröhlich grinsend durch Grangorella spaziert und sagt uns, wir sollen unsere Sachen auf diese alte Karacke hier packen und an Bord gehen. Gibt es etwa Ersatzschiffe? Malponeo ist ja der Meinung, dass die drei Schiffe in Grangorella niemals die richtigen Schiffe waren…

Na, jedenfalls will ich nicht hoffen, dass wir mit dieser Karacke hier ins Güldenland fahren….

27. Firun 1023 BF – 28. Firun 1023 BF

Havena, 27. Firun 1023 BF

Nachmittag: Sind heute Mittag nach unproblematischer Fahrt hier angekommen und haben uns, wie auch bei meinem letzten Aufenthalt hier, im „Flussdämon“, einquartiert. Bin dann mit Yidayion in die „Schatzinsel“ und habe Quendt angesprochen. Er hat gleich verstanden, wer wir sind und worum es geht. Wir treffen uns zwei Stunden nach Sonnenuntergang und fahren dann in die Unterstadt. Werden vorher noch ein wenig in die Stadt gehen, beim Efferdtempel um gutes Gelingen beten. Fadril will auch unbedingt in den Borontempel, weil er Angst vor den Geistern in der Unterstadt hat, außerdem will er in den Hesindetempel. Er ist der Meinung, er kann dort noch etwas herausfinden…nun ja, ich werde ihm gerne den Weg zeigen, allerdings setze ich ganz gewiss nie wieder einen Fuß dort hinein, so lange dort nicht ein anderer Geweihter Dienst tut.

 Gasthaus an der Reichsstraße nahe Havena, 28. Firun 1023 BF

Irgendwann mitten in der Nacht:

Bei allen Zwölfen, was für eine Nacht! Ich kann froh sein, dass ich hier noch sitze und diese Zeilen schreiben kann.

Ich würde ja sagen, dass unsere Unternehmung ganz harmlos begann, jedoch wäre dies untertrieben…wir trafen also wie verabredet Bruidnich an der Klappbrücke und warteten dann noch auf den letzten Mann, der, wie wir bereits ahnten, von der Efferdkirche kommen sollte. Und dann kam er…Efferdan ui Bennain, der Hüter des Zirkels, höchster Efferdgeweihter Aventuriens und ganz nebenher noch der Bruder des Königs von Albernia. Wir waren alle natürlich einigermaßen erstaunt, dass die  Kirche ihren höchsten Vertreter für diese Mission schickt. Es ging aber gleich weiter mit dem Staunen, denn statt, wie ich es erwartet hätte, mit einem Ruderboot loszufahren, gingen wir in ein Lagerhaus, in dem einige der alten Hinterlassenschaften des berühmten Mechanicus Leonardo von Havena aufbewahrt werden. Dort zeigten Efferdan und Bruidnich uns unser „Gefährt“ für diese Nacht: Die „Tiefensucher“, ein Meisterwerk von Leonardo, eine Art Boot, von dem aus eine Glaskuppel in die Tiefe gelassen werden kann, unter der die Luft sich hält, so dass man damit tauchen kann. Außerdem hatten sie magische Kugeln dabei, die sowohl Licht als auch Wärme verbreiteten, und ein Elixier, mit dem man unter Wasser atmen konnte.

Wir paddelten also in die Nacht hinaus – wir vier zusammen mit dem höchsten Efferdgeweihten Aventuriens und dem Bruder von Staatsadmiral Quendt auf einem von Leonardo von Havena gebauten Boot…und wenn ich dachte, das dies schon bemerkenswert sei, so sollte ich mich täuschen.

In der Unterstadt gesellte sich eine Neckerfrau zu unserem Boot, die wohl mit Efferdan „befreundet“ ist. Er erklärte uns, sie würde uns suchen helfen. Leider kam es, kaum dass wir in dem Bereich des alten Havena angekommen waren, zu einem  Zwischenfall mit einem Geist, der von Fadril Besitz ergriff. Es stellte sich nach einer Weile heraus, dass es sich um einen Händlerssohn namens Stewain Ruut handelte, der vor etwa zwanzig Götterläufen auf einer der Fahrten von Bruidnich verloren gegangen war und dessen Seele nun keine Ruhe fand.

Wir beschlossen, dies zum Anlass zu nehmen, die Taucherglocke auszuprobieren und in der Tiefe nach seinen sterblichen Überresten zu suchen, auf das seine Seele vielleicht Erlösung findet, wenn er bestattet wird.

Yidayion und ich tauchten also nach unten und fanden tatsächlich einige Knochen und zusätzlich ein Rapier, das ihm gehört haben könnte. Efferdan wird sich darum kümmern, dass die  Knochen bestattet werden und wir werden das Rapier zu seiner Familie bringen, die wohl in Grangor sitzt. Bereits dort wurden wir allerdings von einer Unterwasserschlange angegriffen.

Danach paddelten wir weiter und kamen schließlich an die Stelle, an der sich wohl in etwa das alte Kontor oder Lagerhaus von Buan Bruadir befinden musste. Dieses Mal tauchten wir alle nach unten, bis auf Bruidnich, der die Kuppel herabließ.

Es ist eine seltsame, ganz andere Welt dort unten; man ahnt etwas vom Glanz der alten Stadt und sieht gleichzeitig das  Ausmaß der Zerstörung, im einen Moment freut man sich an der seltsamen Schönheit der Unterwasserwelt und im nächsten Moment fühlt man etwas Fremdes, Böses dort unten lauern und weiß, dass nicht Efferd allein die Tiefen beherrscht…

Wir suchten in zwei Gruppen nach dem Lagerhaus, was sich natürlich nicht ganz einfach gestaltete. Die Neckerfrau warnte Yidayion und mich einmal gerade noch rechtzeitig vor einem riesigen Kraken, vor dem wir uns verstecken mussten. Er schien mir fast mehr zu sein als ein Tier, denn als er das schwache Leuchten meiner Lichtkugel sah, wurde er aufmerksam und wandte sich erst nach einer Weile wieder ab.

Schließlich fanden wir das Lagerhaus und Malponeo entdeckte dort drin nach einer ganzen Weile die Kiste, die wir suchten und die trotz der langen Zeit da unten von keinerlei Pflanzen bewuchert war. Sie war wirklich seltsam leicht, so dass wir sie mühelos zur Tiefensucher zurückbringen konnten. Langsam tauchten wir alle wieder nach oben. Inzwischen war es so neblig geworden, dass man nur noch wenige Schritt weit sehen konnte.

Wir wollten uns rasch auf den Rückweg machen, als plötzlich Lichter von anderen Booten auftauchten. Es stellte sich bald heraus, dass es Patrouillenboote waren, angeführt von der „Dreizack“, auf welcher sich niemand anderer befand als König Cuanu ui Bennain, der König von Albernia selbst. Er war über den „Diebstahl“ der Tiefensucher so empört gewesen, dass er selbst mit losgefahren war, um die Diebe zur Rede zu stellen. Als er seinen Bruder Efferdan erkannte, sprang er allerdings auf unser Boot herüber und die beiden waren kurz davor, die Sache aufzuklären.

Dann allerdings passierte das, was ich am meisten befürchtet hatte: Ein weitaus größerer Zirkel von Kultisten der Herrin der Nachtblauen Tiefen als der, den wir das letzte Mal zerschlagen hatten, tauchte auf und griff von allen Seiten her an. Wie das letzte Mal hatten sie einen Paktierer in ihren Reihen, der eine Seeschlange kontrollierte. Die Soldaten Albernias waren den Kultisten überlegen, allerdings konnten sie nichts gegen die Seeschlange tun, die die kleinen Boote einfach unter sich zerquetschte. Wir auf der Tiefensucher hatten Glück, denn sie wollten die Kiste und sie wollten den König, der sich den Kultisten entgegenstellte, also griff die Seeschlange nicht unser Boot an…

Es war ein solches Chaos, ich weiß nicht mehr, was genau passiert ist. Efferdan ui Bennain rannte auf einmal auf dem Wasser auf den Paktierer zu, der König kämpfte an unserer Seite gegen die Kultisten, neben uns hörten wir immer wieder die anderen Boote zerbrechen und die Soldaten ins Wasser fallen, dann bäumte sich die Seeschlange plötzlich auf, als wollte sie alles zerschmettern, zog sich aber dann zurück. Efferdan kehrte zurück und meinte, die Paktiererin sei entkommen, die überlebenden Soldaten kamen an Bord der Tiefensucher oder bemannten die beiden anderen Ruderboote, die noch heil geblieben waren.

Cuanu ui Bennain wandte sich an uns und sagte, er würde nun in der Stadt Alarm geben, damit vielleicht noch mehr von den Kultisten erwischt werden könnten. Wir sollten zusammen mit Bruidnich die Tiefensucher zurückbringen und dann mit der Kiste die Stadt verlassen, da das in dem Chaos keinem auffallen würde.

Er sagte, wir sollen Harika seine Grüße ausrichten, dass er ihr alles Gute für die Fahrt wünscht und dass alle alten Streitigkeiten vergessen sind. Auch uns wünschte er den Segen der Götter und trug uns auf, den Glauben und die Tugenden der Aventurier in die fernen Lande zu tragen. Er sah fast traurig aus, als er sich verabschiedete, als wünschte er, selbst mitkommen zu können. Man sagt, dass er ein gebrochener Mann sei, seit an der Trollpforte mit Reichsbehüter Brin und dem Schwertkönig seine letzten Gefährten gefallen sind. In dieser Nacht allerdings war er ein König, so wie man ihn sich vorstellt und wie er meiner Meinung nach sein sollte…

So fanden wir also in der Unterstadt Havenas eine uralte Karte eines längst verstorbenen Güldenlandfahrers, fuhren mit einem mechanischen Meisterwerk des Leonardo von Havena, kämpften mit dem König von Albernia und dem Hüter des Zirkels gegen einen Kult von Dämonenanbetern und schlichen uns schließlich im allgemeinen Chaos aus der Stadt.

Ist es nicht seltsam, dass man erst beginnen muss, den Kontinent zu verlassen, damit man die Wunder zu sehen bekommt, die er bereithält?